Die Rensch-Orgel in St. Paulus

 

Im Dezember 1993 und Januar 1994 wurde das von den Eheleuten Maria und Josef Stanek gestiftete elektronische Instrument durch eine neue Orgel ersetzt. Es hat 27 Jahre gedauert, bis die Kirchen-gemeinde mit einem Orgelneubau die Kirche vollends ausstatten konnte.

Die Planung und Ausschreibung wurde durch den Orgelsachverständigen der Diözese Prof. Dr. Ludger Lohmann durchgeführt. Nach gründlicher Abwägung der Angebote erhielt die Orgelwerkstatt Richard Rensch aus Laufen/Neckar den Zuschlag zur Realisierung des Orgelneubaus. Ausschlaggebend für die Entscheidung war neben der klanglichen Sensibilität und Frische ihrer Instrumente auch der architektonische Entwurf, der sich in den Proportionen optimal in den Kirchenraum einpasst und in ansprechender Weise auf seine ornamentalen Details bezieht.

Dank der optimistischen Tragkraft des Kirchengemeinderates, der engagierten Arbeit des Orgelausschusses und getragen durch eine große Spendenbereitschaft der Gemeinde konnte die Orgel in Ihrer jetzigen Form gebaut werden und steht für mannigfaltige Aufgaben in Liturgie und Konzert zur Verfügung.

Prof. Dr. Ludger Lohmann schrieb in der Festschrift zur Orgelweihe:

Jede Orgel, die als Musikinstrument ernst genommen werden soll, muss so geplant sein, dass sie sich akustisch und optisch gut in den Raum einfügt, dient doch letzterer der klanglichen Resonanz und damit gewissermaßen als Bestandteil des Instruments, wobei er gleichzeitig in seiner Architektur wesentlich durch dieses Instrument beeinflusst wird. Diese Abhängigkeit vom sie umgebenden Raum unterscheidet die Orgel von allen anderen Musikinstrumenten, sie bedingt auch die Tatsache, dass jede gute Orgel ein Einzelstück ist, welches besonders sorgfältiger Planung bedarf.

Kern der Orgel ist ihr Grundregister Prinzipal 8', als einziges im Prospekt, dem "Gesicht" der Orgel, sichtbar. Auf ihm basiert mit Octave 4' und 2', der Quinte und der Mixtur das traditionelle strahlende "Plenum". Das Brustwerk verfügt über ein kleines Plenum vom Holzgedackt 8' bis zur Sifflöte 1', welches dem Hauptwerk dialogisch konkurrieren, aber auch, bei geschlossenen Falttüren, echomäßig antworten kann. Mit den Flötenstimmen und dem Salicional 8' erschließt sich ein für ein Instrument dieser Größe erstaunlicher Vorrat an Begleitregistrierungen. Die beiden Zungenregister Trompete und Krummhorn sind wie auch die hellen Einzelregister, besonders des Brustwerks, gleichermaßen zur Beimischung in Plenum-Klänge wie auch zu vielfältigen solistischen Kombinationen etwa bei der Führung einer Choralmelodie geeignet. Zugunsten einer reichhaltigen Farbpalette in den Manualen wurde das Pedal auf nur zwei eigene Register beschränkt. Durch die drei "leihweise" dem Hauptwerk zu entnehmenden Register wird seine klangliche Selbstständigkeit bei differenzierter Registrierung gewährleistet.

Eine Besonderheit der neuen Orgel ist ihre Stimmung. Sie folgt nicht dem heute üblichen System, sondern einem von Johann Philipp Kirnberger, einem Schüler von Johann Sebastian Bach, entwickelten. In ihm klingen, im Gegensatz zur modernen Stimmung, nicht alle Tonarten gleich; jede Tonart hat ihren eigenen Charakter, wobei die am häufigsten vorkommenden Tonarten, wie C-Dur und G-Dur deutlich "reiner" klingen als seltene Tonarten wie Fis-Dur oder Des-Dur. Diese Eigenschaft verschafft der Orgel einen zusätzlichen Abwechslungsreichtum. Den Orgelbauern gebührt ein herzlicher Glückwunsch zur Vollendung ihres farbenprächtigen und musikalisch inspirierenden Instrumentes.